Lehm zählt zu den ältesten natürlichen Baustoffen – und erlebt aktuell eine bemerkenswerte Renaissance. Er gilt als besonders gut geeigneter Baustoff für die Kreislaufwirtschaft, da er sich ohne Qualitätsverlust nahezu unendlich oft wiederverwenden lässt. Im Gegensatz zu Beton oder Gips bindet Lehm rein physikalisch durch Trocknung und nicht chemisch ab. Durch einfache Zugabe von Wasser wird hart gewordener Lehm wieder plastisch und kann für neue Bauteile genutzt werden.
Bei der Verarbeitung und beim Rückbau entsteht kein Sondermüll. Reste können kompostiert oder direkt wieder in den Produktionsprozess zurückgeführt werden (Cradle-to-Cradle). Die Aufbereitung von Lehm benötigt kaum Energie im Vergleich zu gebrannten Steinen oder Zement, was die ökologische Bilanz über den gesamten Lebenszyklus verbessert. Neben der Ökobilanz reguliert Lehm die Luftfeuchtigkeit und filtert Schadstoffe.
Seit 2021 bieten die DIN-Normen 18945 bis 18947 für Lehmsteine, -mörtel und -putze die notwendige Planungssicherheit für industrielle, zirkuläre Anwendungen. Der Schlüssel liegt in der Kombination statisch tragender Elemente aus Ziegeln und Betonfertigteilen mit Lehmbaustoffen sowie Systemen aus nachwachsenden Faserstoffen. Besonders interessant für den Einsatz von Sekundärbaustoffen ist der lehmhaltige Bodenaushub, der direkt auf der Baustelle anfällt: Seine variierende Zusammensetzung erlaubt eine flexible Anpassung der Mischungen und damit eine breite Anwendbarkeit in unterschiedlichen Bauformen.
Fachgespräch: Strategien für den zirkulären Lehmbau
Diesen und weiteren Fragen wollte das Fachgespräch „Strategien für den zirkulären Lehmbau" intensiver auf den Grund gehen. Gemeinsam mit der eiwa Lehm GmbH als ausgewiesene Experten in der Herstellung und Kreislaufführung von Lehmbaustoffen wurde der aktuelle Stand bei der Etablierung von Arbeiten mit Lehmbaustoffen sowie mögliche Strategien für den zirkulären Lehmbau und die dabei auftretenden rechtlichen und praktischen Hemmnisse diskutiert. Ziel war es, die Zusammenarbeit zwischen Bauwirtschaft, Planung, Ausführung, Aufbereitern und öffentlichen Institutionen zu vertiefen, um die Nutzung von Lehmbaustoffen als nachhaltiges und zirkuläres Baumaterial in Rheinland-Pfalz zu fördern.
- Welche Möglichkeiten gibt es gegenwärtig für das Bauen mit Lehm?
- Welche Ansätze zur Nutzung von Bodenaushub im zirkulären Lehmbau sind aktuell vorhanden?
- Welche Qualitätsanforderungen werden aktuell im Bauwesen gestellt, und inwiefern kann Lehm diese erfüllen?
- Welche rechtlichen und praktischen Hemmnisse bestehen derzeit?
Programm
- 13:00 Uhr Eröffnung durch LfU / MKUEM Rheinland-Pfalz, Grußwort Michael Cullmann, Bürgermeister der Stadt Rockenhausen
- 13:15 Uhr Impulsvortrag: Baustoff Lehm – „Dreckiges Gold – vom Outlaw zum Sheriff der Bauweise", Dipl.-Ing. (FH) Fabrice Henniger, HDG Architekten BDA, Bad Kreuznach
- 13:45 Uhr Impulsvortrag: Lehm – ein nachhaltiger Baustoff im Kreislauf, Dr. Dipl.-Ing. (FH) Alexander Reis, Trier University of Applied Sciences
- 14:15 Uhr Kaffeepause mit Besichtigung der Ausstellung „Lehmbaustoffe & Produktsysteme mit nachwachsenden Faserstoffen"
- 14:30 Uhr Impulsvortrag: Praxisbeispiele massiver Lehmhäuser – Lehmsteine als tragende Elemente, Dipl.-Ing. (FH) Thomas Schlenker, Architekt und Baubiologe
- 15:00 Uhr Impulsvortrag: Lehmbau – Forschung, Entwicklung und Anwendungstechnik seit 1984, Waldemar Eider, eiwa Lehm GmbH, Bisterschied
- 15:45 Uhr fachlicher Austausch und vortragsübergreifende Diskussion, Ende ca. 17:00 Uhr
Zielgruppen
- Bau- und Abbruchunternehmen
- Behörden und kommunale Körperschaften
- Handwerksbetriebe
- Architekten und Planer
- Institutionen der Baustoffüberwachung
- Hersteller von Produkten für den Tief- und Straßenbau
- Struktur- und Genehmigungsbehörden
- Recycling- und Entsorgungsunternehmen
- Bauträger und Investoren der Wohnungswirtschaft
Ort und Anfahrt
Veranstaltungsort war die Donnersberghalle, Obermühle 1, 67806 Rockenhausen. Mit dem PKW: von der A 63 aus Richtung Mainz oder Kaiserslautern an der AS Winnweiler auf die B 48 Richtung Bad Kreuznach abbiegen und bis Rockenhausen fahren, im Ort der Beschilderung folgen. Mit dem ÖPNV: Rockenhausen liegt an der Bahnstrecke zwischen Bad Kreuznach und Kaiserslautern und ist stündlich mit der RB 65 zu erreichen. Moderation: Thilo Brämer, Fraunhofer-Einrichtung IWKS, Alzenau.



